Gefühle begegnen uns täglich und sind ein Hinweis darauf, ob unsere Bedürfnisse erfüllt oder unerfüllt sind. Manchmal fühlen sie sich angenehm an, manchmal eher unangenehm und manchmal so schrecklich, dass wir sie am liebsten gar nicht spüren wollen. In diesem Artikel habe ich dir Möglichkeiten zusammengetragen, wie du deine Gefühle erkunden kannst.
Kurzantwort: Gefühle kannst du über die Basisgefühle, vertiefende Beschreibungen und Listen mit Gefühlen, Bildern zur Verdeutlichung und Hypnose erkunden.
Warum ist es wichtig, Gefühle wahrzunehmen?
Wenn wir unsere Gefühle unterdrücken, mag das kurzzeitig zum Erfolg führenwir machen einfach weiter und ziehen durch, was wir uns vorgenommen haben. Oder lassen uns nicht anmerken, wie traurig oder wütend wir sind. Langfristig können dadurch ungesunde Muster oder Symptome wie z.B. Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen, ständigem „Ja-Sagen“ oder Nägel kauen entstehen. Denn: Gefühle wollen uns etwas sagen und wenn wir ihnen nicht zuhören, suchen sie sich andere Wege, gehört zu werden. Wichtig: körperliche Symptome sollten immer von einer Ärztin abgeklärt werden!
Manchmal fühlt es sich so an, als passt es in einer Situation nicht, die Gefühle zu fühlen. Dann können wir das auch auf später verschieben und uns nochmal in die Situation hineinversetzen. Wichtig ist letztendlich, dass sie gefühlt werden.
Wie kann ich meine Gefühle erkunden?
Was also tun, wenn zwar klar ist: da ist was los in mir, aber noch nicht so wirklich, was genau eigentlich dahintersteckt? Mit Hilfe der Basisgefühle, Gefühlslisten, Bildern oder Hypnose kannst du deine Gefühle erkunden und herausfinden, was gerade los ist.
- Fang mit den Basisgefühlen an: Freude, Trauer, Überraschung, Wut, Angst, Ekel und Verachtung. In welche Richtung zeigt dein Gefühl? Das gibt dir einen grundsätzliche Richtung vor, die du dann weiter erkunden kannst. Basisgefühle heißen übrigens Basisgefühle, weil sie universell in allen Kulturen der Welt vorkommen und verstanden werden. Einigen Menschen kann es trotzdem schwer fallen dies bei anderen zu erkennen oder sich damit auszudrücken. Das nennt sich Alexythymie (=Gefühlsblindheit).
- Neben den Basisgefühlen gibt es eine Reihe weiterer Gefühle. Uns fällt es oft leicht zu sagen, ob es und „gut“ oder „schlecht“ geht. Dann wird’s manchmal schon schwieriger, tiefer einzutauchen. Mit Hilfe der Gewaltfreien Kommunikation habe ich meinen Gefühlswortschatz erweitert. Schau dir die Liste mit Gefühlen an um die Basisgefühle zu vertiefen und deinen Gefühlswortschatz zu erweitern. Was passt gerade zu deiner Situation?
Gefühle, wenn mir geht’s gut:

Gefühle, wenn’s mir nicht gut geht:

- Manchmal ist der Einstieg über Worte schwer und es helfen Bilder dabei, Empfindungen greifbar zu machen. Manchmal klappt das über Emojis, über Smilies in verschiedenen Ausprägungen oder auch über reale Bilder, die die Stimmung widerspiegeln. Du kannst dir auch Bilder, wie z.B. die Gefühlsmonster zur Hilfe nehmen. Die Karten nutze ich sehr gerne in meinen Coachings. Es gibt auch die kostenlose Gefühlsmonster Toolbox App, die ich für mich oft verwende.
- Nutze Hypnose, um mit dem Gefühl in Kontakt zu kommen. Meine Klientinnen in 1:1 Hypnose-Coaching bekommen eine Hypnose-Audio, mit der sie jederzeit im Alltag Unterstützung beim Gefühle erkunden haben. Mit der Zeit kannst du auch lernen, das ohne geführte Hypnose für dich zu machen.
Was mache ich, wenn ich die Gefühle erkundet habe?
Im nächsten Schritt kannst du dann schauen, welches Bedürfnis erfüllt oder unerfüllt ist und nach einer Strategie suchen, es dir zu erfüllen.
In der Gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg wird angenommen, dass
- alle Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft etc. grundsätzlich dieselben Bedürfnisse haben.
- alles, was Menschen tun, machen sie um sich ein Bedürfnis zu erfüllen.
- Bedürfnisse sind nicht an Menschen, Orte, Zeit oder bestimmte Handlung gebunden – auch wenn es sich manchmal so anfühlt, als gäbe es nur eine Lösung oder wir eine besonders gerne hätten.
- unser Wohlbefinden hängt davon ab, wie sehr unsere Bedürfnisse erfüllt sind.
Beispiel Hunger:
Jeder Mensch hat Hunger, jedoch nicht alle zur gleichen Zeit. Oder zur gleichen Zeit gleich stark. Wir können uns auch verschiedener Strategien bedienen, den Hunger zu befriedigen: ein Brot schmieren, unser Lieblingsgericht kochen, Essen bestellen, jemanden fragen, ob wir bekocht werden, verschiedene Lebensmittel auswählen etc. Die Lieblingsstrategie ist vielleicht, bekocht zu werden. Wenn jedoch niemand da ist, kann ich trotzdem meinen Hunger stillen – es gibt noch andere Wege.
Eine mögliche Einteilung der Bedürfnisse ist diese:

Gefühle und Bedürfnisse: für alle Menschen gleich und doch so verschieden in der Ausprägung
Gefühle und Bedürfnisse zu erkunden und Strategien zu finden, um sie sich zu erfüllen ist der Kern der Gewaltfreien Kommunikation und meiner Haltung in meinen Coachings. Wo andere sagen „du willst das nicht genug“ oder „sei stärker als die Angst“ gucke ich hin und sehe, das alles, was ein Mensch tut, ein Weg ist, für such zu sorgen.
Dabei erfüllen wir uns diese Bedürfnisse entweder selber, oder wir tragen dazu bei, dass es anderen Menschen gut geht. Was es so spannend macht und für viele neurodivergente Menschen schwierig: jede:r von uns erlebt Gefühle individuell und jede:r von uns hat ganz eigene Strategien und auch Erwartungen, um sich die Bedürfnisse zu erfüllen. Das zu verstehen und deutlich zu machen ist die Herausforderung. Im täglichen Miteinander und auch für uns ganz persönlich. Wichtig ist dabei immer, die Gefühle zuzulassen. Denn sonst melden sie sich wieder: in Form von Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Verspannungen, innerer Unruhe oder andern Symptomen.