Neulich erzählte eine Businessmentorin in einem Podcast: “KI ersetzt Coaching, Beratung und Therapie. Sie ist schnell zugänglich und die Leute müssen sich nicht für ihre Themen schämen.” Ich habe direkt zurück gespult und die Stelle nochmal gehört, weil ich das nicht glauben konnte. Eine Maschine soll ein Berufsfeld ersetzen, indem nicht mehr Menschen mit dir über deine Herausforderungen reden, sondern ein seelenloser Chatbot? In diesem Artikel geht es um die Vor- und Nachteile von KI für selbstständige Frauen in Daueranspannung, die Unterstützung suchen. Am Ende gebe ich dir meine Einschätzung dazu.
Kurzantwort: Ich halte KI an manchen Stellen hilfreich in Coaching und Beratung. Um schnell das Gefühl zu haben, „Jemand hört mir zu.”, kann sie helfen, den ersten Druck zu nehmen. Aber: Wirkliche Entwicklung, Verständnis und Unterstützung findest du nur von und mit echten Menschen – die mitfühlen und dich dabei begleiten, herauszufinden, was eigentlich wichtig ist und wie du langfristig etwas änderst.
Welche Chancen hat KI im Coaching für angespannte Selbstständige?
KI hat aus meiner Sicht 3 Chancen im Coaching für Selbständige. Sie kann dabei helfen, sofort Erleichterung zu spüren. Es kommt ohne Wartezeit eine ausführliche und in der Regel – je nach Prompt – verständnisvolle Antwort. Da kein direktes Gegenüber da ist, entsteht weniger Scham in dem, was geteilt wird. Der Wunsch nach schnellen Lösungen ist oft groß, sodass die KI als hilfreich empfunden wird. Nachfragen sind problemlos und meist ohne Zeitverzug möglich.
Zugegeben, im ersten Moment ist es eine riesen Erleichterung, SOFORT jemanden zum Reden zu haben – wenn auch nur virtuell. Der Druck wird weniger, wenn du dich mal so richtig auskotzen kannst. Gefühle und Gedanken sortieren sich in dem Moment und Wut, Ärger oder Enttäuschung über ein Gespräch mit einer Kundin oder den Streit mit einer Freundin verfliegen.
Ohne Filter darf einfach alles raus. Wo du dich vielleicht sonst für deine Aussagen geschämt hättest, gibt es jetzt niemanden, der direkt zuhört. Du fühlst dich nicht mehr alleine in der Situation und bekommst – mal mehr, mal weniger – Verständnis oder einen anderen Blick auf die Situation. Und dann ist der Kopf erstmal wieder frei für das nächste Business To-Do.
Und ja, im “echten” Leben sind nicht immer die Menschen verfügbar, bei denen du dich gut aufgehoben und verstanden fühlst. Die dir mitten in der Krise nicht sagen “Jetzt musst du aber auch mal positiv denken” oder “Sieh das doch mal von der Seite…!” Sondern Menschen, die wirklich da sind und dir den Raum geben, mit all deinem Schmerz da zu sein. Die zuhören ohne zu werten.
Und inmitten all deiner Aufgaben als Selbstständige ist da auch oft der Wunsch, schnell eine Lösung zu haben – damit es weiter gehen kann. Du hast keine Zeit zu verlieren. Der innere Druck ist so wie so schon da – und sofortige Unterstützung ist da sehr verlockend. Genau hier übersehen jedoch viele Selbstständige einen wichtigen Punkt.
Welche Risiken hat KI im Coaching für angespannte Selbstständige?
Ich sehe in der Nutzung von KI im Coaching auch Gefahren. Zum einen nimmt sie deine Gefühle und Reaktionen nicht wahr. Das ist entscheidend, um wirklich verstanden zu werden. Außerdem löst sie Probleme nur oberflächlich und bald stehst du wieder am gleichen Punkt mit der gleichen Frage. KI begleitet nicht individuell, weil sie nur reagiert und nicht agiert. Auch die Einstellungen sollten überprüft werden, damit private Daten nicht zu Trainingszwecken verwendet werden.
Die KI kann vielleicht den ersten Druck nehmen, aber begleitet dich nicht dabei, nachhaltig etwas zu ändern. Sie fragt nicht nochmal gezielt nach, sie hat nicht die Details im Blick, um dich daran zu erinnern, was du schon geschafft hast oder was du als für dich wichtig formuliert hast. Je länger ein Chat wird, desto ungenauer und umständlicher sind die Antworten. Sie sieht auch deine Tränen nicht, hört nicht die Verzweiflung in deiner Stimme oder Erleichterung in deinem Gesicht wahr. Sie sieht Fakten, hat aber (auch wenns komisch klingt) keine Seele.
Zunächst scheint das Problem kleiner, aber bald stehst du wieder am gleichen Punkt wie vorher. Die KI führt dich nicht zum nächsten wichtigen Schritt. Sie hilft vielleicht zu sehen, was gerade da ist und hat eine kurzfristige Lösung. Aber sie sieht nicht, was eigentlich hinter der Herausforderung steckt und was dir gerade statt einem allgemeinen Tipp wirklich helfen würde. Und so hast du am Ende zwar alles erzählt, aber bist noch nicht weiter in der Frage, wie du zukünftig konkret etwas ändern kannst. So landest du bei der nächsten Herausforderung wieder im Chat, bleibst handlungsunfähig und der Druck ENDLICH wieder klar denken und dein Business zu führen wird immer größer.
Die Frage ist auch immer, wie viel Persönliches willst du mit einer KI teilen? Wie sind deine Datenschutzeinstellungen? Werden deine Chats genutzt, um die KI weiter zu trainieren? Kannst du dich darauf verlassen, dass Privates auch wirklich privat bleibt? Willst du wirklich dein Innerstes und Businessdetails einer Maschine mitteilen? Das ist eine Entscheidung, die du nur für dich selbst treffen kannst und wo du darauf vertrauen musst, dass deine Privatsphäre auch in dem Maß geschützt wird, wie du es dir wünschst.
Wie gehe ich als Hypnose-Coachin mit KI um?
Klar habe ich auch schon die KI um Rat gefragt. Sowohl was mein Business betrifft, als auch bei emotionalen Herausforderungen. Und ich habe genau diese Erfahrung gemacht. Erst dachte ich “Ah, cool, direkt ne Antwort.” Und dann wurde es mir bei ChatGPT zu viel, zu allgemein und auch wenn ich mehrfach betont habe, was mir wichtig war, wurde mir diese Sichtweise abgesprochen – ich wurde gegaslightet von einer Maschine. Eine Lösung hatte ich am Ende trotzdem nicht.
Was hat mir wirklich geholfen? Mich mit echten Menschen zu meinen Sorgen auszutauschen, um zu sehen, dass ich nicht alleine bin. Zu erfahren und zu wissen: ich muss mich für meine Herausforderungen nicht schämen und andere stehen am gleichen Punkt. Außerdem habe ich durch den Austausch auch Strategien für mich entwickelt, die zu mir und meiner Selbstständigkeit passen. Und die Hypnose war zentral, damit ich meine Gefühle sortieren und wirklich sichere Entscheidungen treffen konnte.
Es gibt auch große Unterschiede in den KIs. Ich selbst nutze Claude zur Unterstützung in Prozessen, wie z.B. Wissen zu organisieren oder zur Recherche. Für diesen Artikel habe ich nochmal einen “Emotionstest” gemacht und mir Situationen ausgedacht, in denen ich mir emotionalen Beistand gewünscht habe. Zum einen hat Claude mir Verständnis entgegen gebracht, aber auch viele Fragen zu Dingen gestellt, die mir in dem Moment gar nicht wichtig waren. Er war sehr lösungsorientiert, aber mein “Schmerz” wurde nicht gesehen. Gut gefallen hat mir, dass er in allen drei “Testsituationen” ganz klar Grenzen aufgezeigt und auf die Telefonseelsorge verwiesen hat. Das finde ich sehr wichtig! Und zeigt auch hier wieder: der Kontakt zu Menschen ist entscheidend.
Fazit: KI kann dich kurzfristig unterstützen, wenn du dir zusätzlich auch menschliche Begleitung suchst
Bildlich gesprochen: Die KI kann Feuer löschen, eine gut ausgebildete Coachin unterstützt dich dabei vorzubeugen, sodass langfristig im besten Fall gar keines mehr ausbricht und falls doch, du dir dann auch gut selber helfen kannst.
Sie sieht, wie schwer es dir fällt, überhaupt nach Hilfe zu fragen. Sie ist bei dir, wenn Tränen fließen oder der Ärger über diese eine Kundin wieder in dir hoch kocht und du dich fragst, warum du ihr immer wieder entgegenkommst. Sie hat dein großes – individuelles – Ziel im Blick, und führt dich immer wieder dorthin zurück – lässt jedoch auch Raum für das, was zwischendurch wichtig ist. Sie begleitet dich dabei, deine Denkfehler zu verstehen und hinter dir zu lassen, damit du wieder ins Tun kommst.
Wichtig ist also:
- alles rauslassen, was dich bewegt
- verstehen, was darunter liegt
- Wege finden, um aus der Ohnmacht wieder ins Tun zu kommen
Plus:
Lerne, wie du mit herausfordernden Gefühlen wie Wut oder Trauer umgehst, statt dich hilflos ausgeliefert zu fühlen.
Dafür braucht es eine Coachin oder Therapeutin, die weiß, was sie tut und wie sensible Prozesse souverän begleitet werden. Die offen zuhört, Ruhe ausstrahlt und dich wieder an dich selbst glauben lässt. Und auch ansprechbar ist, wenn’s zwischen den Sitzungen mal hakt.
Es braucht einen sicheren Rahmen, in dem du Vertrauen und mit all dem da sein kannst, was dich beschäftigt. Ohne Verurteilung und ohne “reiß dich halt mal zusammen, wenn du’s wirklich willst”.
Und es braucht Methoden, die tief gehen und nicht nur im Kopf ansetzen, sondern die Lücke zwischen Mindset und Umsetzung schließen, wie z.B. Hypnose.
Das alles hilft dir dabei, dich und dein Business auch durch stürmische Zeiten zu navigieren.
Erzähl doch gerne mal: Wie stehst du zum Thema KI im Coaching? Hast du das für dich auch schon mal probiert?