Unendlich viele neue Ideen im Kopf, du willst loslegen, dranbleiben, nichts verpassen und eigentlich bräuchte dein Tag mehr als 24 Stunden, um alles zu schaffen. Doch gleichzeitig meldet sich eine andere Stimme in dir: “Ich kann nicht mehr. Ich will das so nicht mehr. Ich brauche Ruhe!” Genau diesen Konflikt sehe ich in meinen Coachings ständig und kenne ihn auch aus eigener Erfahrung.
Dabei kommen sich innere Anteile bzw. Mitglieder aus deinem inneren Team, in die Quere: die innere Kritikerin, die innere Antreiberin oder der Workaholic, die Controllerin, die Buchhalterin, die Social Media Managerin… und mittendrin der Anteil, der einfach nur Pause will. Als Selbstständige hast du ein ganzes Team in dir sitzen. Die Frage ist nur: wie gehst du mit den Streitereien in diesem Team um?
Kurzantwort: Wenn ein Anteil in dir laut wird, hilft es nicht, ihn zum Schweigen zu bringen. Aus meiner Sicht hat jeder Anteil einen guten Grund. Die Frage ist nicht, wie du ihn los wirst, sondern ob er wirklich zu dir gehört oder eine Stimme von außen ist und was er eigentlich braucht. Mit Hypnose findest du genau das heraus und kannst mit der Unternehmerin in dir diese Konflikte lösen.
Der Workaholic gegen den müden Anteil
Ein Beispiel, das ich immer wieder sehe: der Workaholic – oder liebevoller: der Ideentreiber-Anteil. Er erlaubt keine Pause, und zeigt einfach immer weiter auf, was noch auf der To Do Liste steht und erledigt werden soll. Er ist zuständig für Wachstum, für Spaß im Alltag, will neue Dinge lernen, für Erfüllung in den Aufgaben, Erfolg im Business und Anerkennung von anderen. Er will immer weitermachen. Er will nichts verpassen. Und vielleicht hat er auch Angst davor, was passiert, wenn gerade nichts zu tun ist und du dich erholst.
Ihm gegenüber steht der müde Anteil. Der will Entspannung im Alltag und nicht nur im Urlaub, Leichtigkeit in den täglichen Aufgaben und will das Leben genießen. Und wenn er nicht gehört wird, greift er zu härteren Mitteln: Er blockiert Ideen und Produktivität mit Müdigkeit und Erschöpfung, Kopfschmerzen…weil ihm einfach alles zu viel wird.
Zwei Anteile mit zwei völlig unterschiedlichen Anliegen. Und beide wollen eigentlich nur eins: dass es dir gut geht. Doch so wie es momentan läuft, legen sie dich lahm und du kommst zu gar nichts mehr. Statt dich aber mal wirklich zu erholen, wird der Ärger in dir nur größer: „Warum bekommst du nichts auf die Reihe? Wieso kannst du nicht mal einfach anfangen? Es ist doch gar nicht schwer!” Und schon denkst du wieder nur an das, was du gerade alles nicht tust, aber dringend solltest.
Warum „einfach wegmachen“ nicht funktioniert
Vielleicht hast du auch schon mal diesen Tipp gehört: schick den kritischen, überambitionierten Workaholic-Anteil weg. Nicht zuhören und vielleicht sogar aus dem Team entlassen, fertig. “Einfach” Pause machen. Dann kehrt auch Ruhe ein. Aus meiner Erfahrung ist das wenig hilfreich.
Denn die Anteile in uns wollen gesehen werden. Gefühle dahinter gefühlt und Bedürfnisse erfüllt werden. Verdrängen wir eines, ploppt es an anderer Stelle wieder auf.
Hier kommt die Haltung der Gewaltfreien Kommunikation ins Spiel: Jeder Anteil hat einen guten Grund so zu handeln, wie er handelt. Statt ihn zum Schweigen zu bringen, geht es darum, ihn zu verstehen, bevor überhaupt eine Lösung entstehen kann.
Und die Erfahrung dahinter ist simpel: wenn ich wirklich verstanden werde, ergeben sich Lösungen oft von selbst. Ohne Kampf oder Verdrängung.
Mein liebstes Zitat dazu stammt von Carl Rogers:
„Wenn Dir jemand wirklich zuhört. Wenn Dir jemand wirklich zuhört, ohne dich zu verurteilen, ohne dass er den Versuch macht, die Verantwortung für Dich zu übernehmen oder Dich nach seinen Mustern zu formen – dann fühlt sich das verdammt gut an. Jedes Mal, wenn mir zugehört wird und ich verstanden werde, kann ich meine Welt mit neuen Augen sehen und weiterkommen. Es ist erstaunlich, wie scheinbar unlösbare Dinge doch zu bewältigen sind, wenn jemand zuhört.“
Ich weiß allerdings auch, wie schwer es ist, diesen Stimmen zuzuhören. Aber es lohnt sich, denn wir erfahren erstaunlich viel. Und manchmal entdecken wir auch, woher sie wirklich kommt…
Woher kommt diese Stimme wirklich?
Aus meiner Erfahrung gibt es zwei Arten von inneren Stimmen dieser Anteile. Die, die zu uns gehört und die, die wir von außen übernommen haben.
Ein einfacher, aber wirksamer Weg, das herauszufinden ist hinhören und gucken:
- Welche Sätze sagt der Anteil?
- Spricht das wirklich aus mir, oder ist das eine Stimme von außen?
- Wie sieht dieser Anteil aus, wenn du genauer hinschaust?
- Erkennst du da vielleicht deine Eltern? Eine strenge Lehrerin, die dich nie verstanden hat? Die frustrierte Nachbarin von früher oder den schlecht gelaunten Bauarbeiter?
Diese Erkenntnis ist der Schlüssel. Ein Anteil, der eigentlich die Stimme deiner Mutter ist und dir „streng dich mehr an“ zuflüstert, braucht ein anderes Gespräch als dein eigener Wunsch nach Erfolg und Anerkennung. Oder die Skepsis deines Vaters, der sich gar nicht vorstellen kann, dass jemand mit Coaching, Fotografie oder Social Media Management Geld verdienen kann.
Eine wichtige Einschränkung dazu: Nicht jeder Anteil verdient dieses Verständnis. Manche sind wirklich destruktiv – gemein, kämpferisch, ohne jedes Interesse an einem Gespräch. Die gehören meistens nicht wirklich zu dir. Und die kannst du auch entsprechend behandeln.
Bevor du irgendeinen Anteil aus deinem inneren Team rauswirfst, frag dich also: Ist das ein Anteil, der von außen kommt, mit Glaubenssätzen und Ideen, die eigentlich aus der Gesellschaft oder von anderen Menschen stammen? Oder ist das ein Anteil, der deine eigenen Bedürfnisse achten und schützen will?
In Hypnose findest du schnell heraus, was die Anteile wollen und wie du konstruktiv mit beiden, ob sie nun zu dir gehören oder nicht, umgehen kannst.
Wer trifft am Ende die Entscheidung?
Anteile zu verstehen reicht jedoch nicht. Irgendjemand muss am Ende die Entscheidung treffen. Genau das ist eines meiner Kernziele im Coaching: die Unternehmerin in dir finden und sie in die Verantwortung nehmen.
Du musst der Kritikerin zuhören, den Workaholic verstehen, den müden Anteil ernst nehmen. Herausfinden, welche Bedürfnisse jeder Anteil hat, wie er sich fühlt und was er eigentlich für dich will. Aber am Ende braucht es eine Instanz in dir, die entscheidet.
Diese vermittelnde Instanz, die Unternehmerin in dir, hört alle Stimmen, vermittelt und entscheidet im Idealfall gemeinsam, sodass alle zufrieden und gehört sind. Im Workaholic-Fall wäre es also wichtig, Ideen zu managen, klare Ziele aufzustellen und regelmäßige Pausen zu integrieren, damit die Energie für all die Ideen reicht und der Pausen-Anteil auch gesehen wird und Erholung findet.
Auch zu ihr kannst du in Hypnose wunderbar Kontakt aufnehmen und ihre Kraft spüren.
Was das für dich bedeutet
Dein Workaholic-Anteil ist nicht dein Feind. Dein müder Anteil auch nicht. Beide wollen etwas Gutes für dich, nur eben Unterschiedliches. Sobald du verstehst, was hinter der Stimme steckt und ob sie wirklich dir gehört, wird es meist schon viel ruhiger. Die Unternehmerin kann dann zwischen beiden vermitteln, sodass du dann am Ende Entscheidungen für dich und dein Business triffst, die dich tragen und nicht weiter sabotieren.
Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell das in Hypnose oft geschieht. Und wie aus einer angespannten, verzweifelten und sich selbst verurteilenden Klientin hinterher ihre Kraft, ihr Mut und ihre Ideen für ihr Business sprudeln.